Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 9, S. 5

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 9, S. 5

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Beilage zu No. 9. Jahrg. 9. des Lutheraners.

II.

Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran.

(Schluß.)

Nachdem ich nun dieses geschrieben, kann ich den Leser versichern, daß es nicht aus Haß oder Rache gegen Hrn. Past. Grabau geschehen ist; ich hätte viel lieber geschwiegen. Ich weiß auch sehr wohl, daß Hr. Past. Grabau, so lange er so verkehrt bleibt, alle meine Worte als grobe Lügen und Verleumdungen bezeichnen wird, wie er zu thun gewohnt ist; dagegen wird er, wer weiß was für Lügen und Verleumdungen gegen mich in die Welt hineinschreiben. Das sind wir Buffaloer jedoch schon gewohnt, und soll mich deshalb wenig anfechten. Der Gemeine in Buffalo wird Hr. Past. Grabau wenig einreden können; nur „in die Ferne ist gut lügen." Genug, daß ich vor Gott bezeugen kann, daß ich die Wahrheit geschrieben habe; und dieses zu thun, dazu habe ich mich in meinem Gewissen gedrungen gefühlt, da das "Informatorium" behauptet, es sei nicht ein einziger ungerechter Bann vorgekommen, und verlangt, daß andere lutherische Christen die Grabau'sche s. g. „christliche" Kirchenzucht ehren und anerkennen sollen.

Den lieben Leser und meine Sache befehle ich Gott, und halte mich an das Wort meines Herrn Christi: „Selig seid ihr, sö euch die Menschen hassen, und euch absondern, und schelten euch und verwerfen euern Namen, als einen boshaftigen, um des Menschensohnes willen. Freuet euch alsdann und hüpfet; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel." (Luc. 6, 22, 23.)

J. P. Schulze.

Buffalo, N. Y., den 1. Nov., 1852.

III.

„Die neue Rotte in Eden."

Im Juli, 1848, hatten die preußischen Pastoren, an deren Spitze Pastor Grabau steht, eine Synode zu Buffalo. Der Bericht über die Verhandlungen erschien aber erst im Juli, 1850. In diesem „Synodalbrief" findet sich pag. 59, ein „Bericht über Entstehung einer neuen Rotte zu Eden." Die Unterzeichneten waren Anfangs unschlüssig, was sie thun wollten: ob sich vertheidigen, oder gänzlich schweigen. Ersteres läge ihnen nicht sehr an, wenn sie wüßten, daß Letzteres zu mehrerem Nutzen dienen würde. Das gänzliche Stillschweigen möchte aber nur bei Manchem, welcher jenen Bericht zu lesen bekommt, den Verdacht erregen, als seien die Unterzeichneten wirklich solche Rottengeister, wie sie Herr Pastor Grabau bezeichnet. Als solche dürften sie freilich auf den Namen einer christlichen Gemeine keinen Anspruch mehr machen. Es soll deshalb mit diesem gezeigt werden, daß die Beschuldigten keine „Rotte" sind, sondern daß Past. Grabau sie blos zu einer solchen stempelt, und daß er selbst Schuld hat, daß unsere Gemeine das traurige Loos der Zertrennung zu leiden hatte.—

Wir können uns nicht darauf einlassen, den ganzen falschen und entstellten Bericht des Hrn. Past. Grabau ins rechte Licht zu setzen; es würde zu lang und langweilig werden. Neben vielen Entstellungen und Unwahrheiten hat das „Ministerium und die sechs Synodaldeputirte" Vieles verschwiegen, was und wie Hr. Past. Grabau unter uns gehandelt hat. Wir wollen uns blos an die 8 Ercommunicationsgründe halten, welche Hr. Past. Grabau, Seite 66 in seinem Buche angegeben hat, weshalb wir den Bann verdient hätten. Darauf werden wir auf manches andere im Bericht Unwahre, selbst weiter zu sprechen kommen.

Erster Grund des über uns ausgesprochenen Bannes:

I. Weil sie halsstarrig wider den 15. Artikel der Augsburgischen Confession behaupteten, daß die christliche Ordnung Sünde, Ursach und Mittel zur Sünde sei.

Antwort: Diese „christliche Ordnung" bestand darin, daß jedes arbeitsfähige Glied unserer Gemeine monatlich einen Schilling in die Kirchkasse zu zahlen hatte. (Siehe in Grabau's Bericht pag. 59.) Diese Ordnung wurde im Jahr 1845 von Pastor und Gemeine gestellt. Aber schon bei der ersten Versammlung, die deshalb gehalten wurde, gab es Zwiespalt. Diese Ordnung sollte für alle gelten; ohne Ausnahme der Armen. Hr. Past. Grabau sagt das Gegentheil! (Siehe p. 59.) Deshalb erhob sich der wenigbemittelte Sigmaier und sagte: Er als ein Armer könne nicht den Reichen gleich gehalten werden, und bot mehrere Male eine geringere Gabe an. Allein Hr. Past. Grabau bestand darauf: Entweder solle er einen Schilling geben, oder er solle sagen, er könne nichts geben. Sigmaier blieb bei seinem Anerbieten und Past. Grabau bei seiner Forderung. Darüber gerieth Sigmaier leider! in seine ihm natürliche Hitze und gab Past. Grabau zu verstehen, daß er nicht die Schafe, sondern nur die Wolle suche. Hr. Past. Grabau aber gab zwei Vorstehern den Befehl, daß sie Sigmaiern zur Thüre hinausführen sollten, welches auch geschah. (Warum hat denn Hr. Past. Grabau dieses nicht auch mitgetheilt?) Solches Verfahren von Seiten des Hrn. Past. Grabau machte andere Glieder aufmerksam, und ein anderer Mann, Namens Wander, entschuldigte sich des Schillings halber mit ähnlichen Gründen, wie Sigmaier. Dieser bekam zur Antwort: „Land oder kein Land, Schulden oder keine Schulden, ein Schilling muß bezahlt werden." Da es nun zu keiner friedlichen Einigkeit kommen wollte, so frug Hr. Past. Grabau, ob wir uns nicht auf die alte sächsische oder pommerische Kirchenordnung verpflichtet hätten, uns darnach regieren zu lassen? Wir antworteten, Ja! Hr. Past. Grabau las nun einen Artikel daraus vor, in welchem gesagt war, daß von Gütern der Kirche den Armen nichts geschenkt werden dürfe. Wolle der das Geld einkassirt es schenken, so müsse er es aus seiner eigenen Tasche bezahlen.— Sutter, ein nicht armer Mann, bedeutete Hrn. Past. Gr., daß hier von solchen Gütern die Rede sei, welche der Kirche schon eigen seien, die etwa ein Armer gesteigert hätte; aber bei ihnen solle ja erst ein Kirchengut gestellt werden, und da sei jenes aus der Kirchenordnung nicht anzuwenden. Darauf antwortete Hr. P Grabau kein Wort, nahm die heil. Schrift und schlug 2. Mose 30, 13—15 auf, wo die Israeliten, reich oder arm, auch hätten eine gleiche Steuer zum Tempel geben müssen.——

Der geneigte Leser mag sich selbst denken, wie „fest" diese Ordnung stand, die schon von Anfang unter so vielem Streit gestellt wurde, und wie sie überhaupt gestellt wurde. Es empört uns die Art und Weise, wenn wir sie uns ins Gedächtniß zurückrufen. Hr. Past. Grabau scheint es vergessen zu haben, weil er von diesem Allem schweigt, und natürlich die Andern im Ministerio können es nicht wissen, wie auch die „6 Synodal-Deputirte" nicht. Darum Thorheit, daß Leute einen Bericht abfassen, von dem sie nichts wissen können, weil sie an weit entfernten Orten wohnen. Oder will Hr. Past. Grabau uns Lügen strafen und vor den Leuten das Wasser trüben? Dann urtheile er selbst, wofür wir ihn in unserem Gewissen halten müssen. Daß diese Ordnung ein ganzes Jahr und darüber "fest stand," ist nicht wahr. Gestellt war sie; aber unter vielem Widerwillen, und unter solchem wurde sie auch eine Zeitlang gehalten— und nicht gehalten. Darum kamen selbst die Kirchväter auf den vernünftigen Gedanken, diese Ordnung lieber abzuthun. (Siehe pag. 60.)

Da nun ohne Aufhören die Gemüther durch diese Ordnung beunruhigt wurden, so glaubte Hr. Past. Grabau, durch die Predigten dahin wirken zu müssen, daß man dieser Ordnung geneigter würde. Allein dies wirkte das Gegentheil. Hr. Past. Grabau hat Recht, wenn er pag. 66 sagt, daß man den Bußpredigten und der Beichte abgeneigt wurde, denn die sogenannte „christliche Ordnung" war allenthalben der In-

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Supplement to No. 9, Volume 9, of the Lutheraner.

II.

They shall put you out of the synagogues; yea, the time cometh, that whosoever killeth you will think that he doeth God service.

(Conclusion.)

Having now written this, I can assure the reader that it was not done out of hatred or revenge against Pastor Grabau; I would much rather have kept silent. I also know very well that Pastor Grabau, so long as he remains so perverse, will denounce all my words as gross lies and slanders, as he is accustomed to do; and he will, who knows what, write forth into the world against me in the way of lies and slanders. We of Buffalo, however, are already accustomed to that, and it shall trouble me little. Pastor Grabau will be able to persuade the congregation in Buffalo of little; it is only "at a distance that lying is easy." Enough, that I can testify before God that I have written the truth; and to do this I have felt constrained in my conscience, since the "Informatorium" asserts that not a single unjust ban has occurred, and demands that other Lutheran Christians honor and acknowledge the so-called "Christian" church discipline of Grabau.

The dear reader and my cause I commend to God, and I hold to the word of my Lord Christ: "Blessed are ye, when men shall hate you, and when they shall separate you from their company, and shall reproach you, and cast out your name as evil, for the Son of man's sake. Rejoice ye in that day, and leap for joy; for, behold, your reward is great in heaven." (Luke 6:22, 23.)

J. P. Schulze.

Buffalo, N. Y., the 1st of Nov., 1852.

III.

"The New Faction in Eden."

In July, 1848, the Prussian pastors, at whose head stands Pastor Grabau, held a synod at Buffalo. The report of the proceedings, however, did not appear until July, 1850. In this "Synodalbrief" there is found, p. 59, a "Report concerning the Origin of a New Faction at Eden." The undersigned were at first undecided what they should do: whether to defend themselves, or to keep wholly silent. The former would not concern them much, if they knew that the latter would serve to greater benefit. But complete silence might, with many a one who comes to read that report, arouse the suspicion that the undersigned were really such factionists as Pastor Grabau describes them. As such they could of course lay claim no longer to the name of a Christian congregation. It is therefore to be shown by this that the accused are no "faction," but that Pastor Grabau merely stamps them as such, and that he himself is to blame that our congregation had to suffer the sad lot of division.—

We cannot undertake to set the whole false and distorted report of Pastor Grabau in the right light; it would become too long and tedious. Besides many distortions and untruths, the "Ministerium and the six synodal deputies" have concealed much of what Pastor Grabau did among us, and how. We wish to confine ourselves merely to the 8 grounds of excommunication which Pastor Grabau has given, page 66 in his book, for which we were supposed to have deserved the ban. Thereupon we ourselves shall come to speak further of much else in the report that is untrue.

First ground of the ban pronounced upon us:

I. Because they stubbornly asserted, contrary to the 15th Article of the Augsburg Confession, that the Christian order is sin, a cause and means to sin.

Answer: This "Christian order" consisted in this, that every member of our congregation able to work had to pay one shilling monthly into the church treasury. (See in Grabau's report p. 59.) This order was set up in the year 1845 by pastor and congregation. But already at the first meeting that was held on account of it there was dissension. This order was to apply to all, without exception of the poor. Pastor Grabau says the contrary! (See p. 59.) Therefore the man of small means, Sigmaier, rose and said: As a poor man he could not be held equal to the rich, and several times offered a smaller gift. But Pastor Grabau insisted upon this: Either he should give a shilling, or he should say he could give nothing. Sigmaier held to his offer and Pastor Grabau to his demand. Thereupon Sigmaier, alas! fell into his natural heat and gave Pastor Grabau to understand that he sought not the sheep, but only the wool. Pastor Grabau, however, gave two elders the order to lead Sigmaier out through the door, which also happened. (Why, then, did Pastor Grabau not report this also?) Such conduct on the part of Pastor Grabau made other members attentive, and another man, by the name of Wander, excused himself regarding the shilling with similar reasons as Sigmaier. He received for answer: "Land or no land, debts or no debts, a shilling must be paid." Since it would now come to no peaceable agreement, Pastor Grabau asked whether we had not bound ourselves to the old Saxon or Pomeranian church order, to let ourselves be governed accordingly? We answered, Yes! Pastor Grabau now read an article from it, in which it was said that of the goods of the church nothing may be given as a gift to the poor. If he who collects the money wished to give it away, he must pay it out of his own pocket.— Sutter, a man not poor, intimated to Pastor Gr. that here the discussion was of such goods as were already the church's own, which perhaps a poor man had bought at auction; but with them a church fund was only now to be established, and therefore that provision of the church order was not applicable. To this Pastor Grabau answered not a word, took the Holy Scripture and opened to Exodus 30:13-15, where the Israelites, rich or poor, also had to give an equal tax to the temple.——

The kind reader may imagine for himself how "firm" this order stood, which from the beginning was set up amid so much strife, and how it was set up at all. The manner and way fill us with indignation when we call it back to memory. Pastor Grabau seems to have forgotten it, since he is silent about all this, and naturally the others in the Ministerium cannot know it, as also the "6 synodal deputies" cannot. Therefore it is folly that people draw up a report of which they can know nothing, because they dwell in places far distant. Or does Pastor Grabau wish to give us the lie and to trouble the water before the people? Then let him judge himself what we must hold him to be in our conscience. That this order "stood firm" for a whole year and longer is not true. Set up it was; but amid much reluctance, and amid this it was also kept for a time—and not kept. Therefore even the church fathers came upon the reasonable thought of rather abolishing this order. (See p. 60.)

Since now the minds were ceaselessly disquieted by this order, Pastor Grabau believed he must work by the sermons toward making people more favorably inclined to this order. But this produced the opposite. Pastor Grabau is right when he says on p. 66 that people became averse to the penitential sermons and to confession, for the so-called "Christian order" was everywhere the In-